Bienensterben: Wie wir die fleißigen Bienen retten können

Ich bin auf dem Land groß geworden. In einem kleinen Dorf, auf dem mehr Hühner als Menschen leben. Viel mehr Hühner. Ich war umgeben von Wiesen und Wäldern mit bunten Blumen in allen Farben und Formen. Und ich kann mich noch genau daran erinnern, wie wir in diesen Wiesen und Wäldern stundenlang die unzähligen Insekten beobachteten, die darin kreuchten und fleuchten. Natürlich haben wir dann auch immer die Bienen beobachtet, wie sie von Blüte zu Blüte flogen und Nektar und Pollen einsammelten. Wenn man genau hinsieht, sieht man an den Beinchen die gesammelten gelben Pollen. Wusstest du das? Wir fanden sie besonders süß. Vielleicht Dank Biene Maja und ihrem Freund Willi. Bis man mal versehentlich auf eine getreten ist. Warum ich dir das alles erzähle?

Weltbienentag: Wie wir die fleißigen Bienen retten können

Wir alle kennen die Honigbiene, haben sie schon einmal beobachtet und fanden sie, wenn nicht gerade von ihr gestochen, süß. Aber weißt du auch, wie wichtig die Tiere für unser Überleben sind? Und dass die gelb und schwarz gestreiften Insekten stark bedroht sind? In diesem Beitrag möchten wir, anlässlich des Weltbienentags, auf das Bienensterben aufmerksam machen. Wir möchten dir zeigen, wie wichtig die Tiere sind und erklären, was jede*r einzelne tun kann, um sie zu retten.


Warum ist die Biene so wichtig?

Wie bereist beschrieben, und wie wahrscheinlich alle wissen, sammeln Bienen Nektar und Pollen. Das ist die natürliche Nahrungsgrundlage für die sozial lebenden Insektenvölker. Während sie das tun und von Blüte zu Blüte fliegen, bleiben auch Pollen in ihrem Haarkleid haften, die so zu anderen Blüten getragen werden – sie bestäuben die Pflanzen. Und das ist eine wichtige Aufgabe. Die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gibt an, dass von den 100 wichtigsten Nutzpflanzen weltweit 71 von Bienen bestäubt werden. Und diese Pflanzen sorgen für 90% der Lebensmittel. Gäbe es die Tiere und die Bestäubung nicht, gäbe es auch viele unserer Lebensmittel nicht. Sie sichern also die weltweite Nahrungsmittelversorgung.

Dass das wichtig ist, müssen wir wohl nicht erklären. Daran hängt aber außerdem auch ein volkswirtschaftlicher Nutzen, der vielen so nicht bekannt ist. Laut Global 2000 liegt dieser in Österreich bei 900 Millionen Euro, europaweit bei etwa 15 Milliarden Euro und weltweit rechnet man bei einem vollständigen Aussterben der Bienen mit einem Schaden von 250 bis 310 Milliarden Euro.


Die Biene ist bedroht

Die Honigbiene kennt wohl jedes Kind. Die wilden Verwandten jedoch nicht unbedingt. Hummeln, Pelz-, Zottel-, Sand- und Seidenbienen sind nur einige Arten, die zu ihrer Familie zählen. Diese sind leicht mit Fliegen oder Wespen zu verwechseln. In Österreich sind in etwa 700 Bienenarten nachgewiesen. Doch seitdem die Landwirtschaft ab den 1960er Jahren immer stärker intensiviert wurde, gibt es einen massiven Rückgang der Artenvielfalt. Die Zahl der Bienenvölker sinkt dramatisch und rund die Hälfte der 700 Wildbienenarten hierzulande ist bedroht.

Außerdem bestäuben auch andere Insekten wie Wespen Pflanzen und sind damit wichtig für die Natur. Deshalb stehen sowohl Bienen als auch andere Insekten wie Wespen und Hornissen unter Naturschutz und dürfen nicht getötet werden. Angesichts des Bienensterbens ist das auch eine wichtige Maßnahme.


Wieso gibt es ein Bienensterben?

Das Bienensterben hat mehrere Ursachen, die meisten davon sind menschengemacht.

Bienensterben - Rettet die Bienen

Intensität der Landwirtschaft

Wie bereits erwähnt, wurde seit den 1960er Jahren die Landwirtschaft immer stärker intensiviert und sowohl Lebensraum als auch Nahrung für Wild- und Honigbiene wurde immer rarer. Wurden früher in der Landwirtschaft viele verschiedene Nutzpflanzen angebaut, setzt man heute auf Monokulturen, die die natürlich Ökosysteme verändern und sowohl die Artenvielfalt der Pflanzen als auch der Tiere einschränken. Außerdem werden die Felder massiv gedüngt und jene Pflanzen, die nährstoffarmen Boden bevorzugen, verdrängt. Es gibt also immer weniger Blüten, besonders jene, die für die Insekten wichtig sind. Die Pflanzen, die noch übrig sind, werden intensiver und öfter gemäht. Die Tiere finden keine Nahrung mehr. Außerdem sterben in den Mähwerken pro Hektar bis zu zehntausende Bienen, wenn bei schönem Wetter und in der Bienenflugzeit gemäht wird.

Einsatz von Pestiziden

Ein großes Problem ist auch der hohe Einsatz von Pestiziden, wie Insektiziden, Akariziden, Fungiziden und Herbiziden. Die Mengen davon sind zwar oft nicht unmittelbar tödlich für die kleinen Tiere. Sie schädigen aber ihr Orientierungsvermögen und die Kommunikationsfähigkeit. Werden Gifte wie die Pestizide in den Bienenstock eingeschleppt, betrifft es das ganze Volk und kann dazu führen, dass die Bienenvölker sterben. Manche von diesen Mitteln wurden bereits EU-weit verboten. Sehr umstritten ist allerdings der chemische Stoff Glyphosat, der nach wie vor in Pestiziden zugelassen ist.

Gartenanlagen und reine Rasenflächen

In der industriellen Landwirtschaft fehlt es besonders den Wildbienen nicht nur an Nahrung, sondern auch an Nistmöglichkeiten. Hier ist aber nicht nur die Landwirtschaft verantwortlich. Auch unsere Gärten und Wälder bieten, zu ordentlich gehalten, keine Nistplätze. Besonders in den Gartenanlagen sieht man immer häufiger reine Rasenflächen statt Wiesen.


Wie können wir die Biene retten?

Keine Nahrung und zu wenige Nistplätze sowie Pflanzenschutzmittel sind also Ursachen für das Bienensterben. In allen Bereichen kann jede*r etwas für die Tierchen tun. Mal mehr, mal weniger. Wir möchten hier noch aufzählen, was genau wir tun können, um das Bienensterben aufzuhalten.

#1 Für Nahrung sorgen

Hier kann wirklich jede*r den Bienen helfen. Selbst, wenn du keinen Balkon oder Garten hast. Denn dann ist es recht einfach und offensichtlich. Artenreichtum ist hier das Stichwort. Sowohl in Kisten und Blumentöpfen auf dem Balkon und erst recht in größeren Gartenflächen können blühende Pflanzenarten für die Tiere gepflanzt werden. Dabei sind Wildpflanzen wie Glockenblumengewächse, Lippenblütler, Wicken oder auch alle Gewürzkräuter besonders wertvoll für Wildbienen.

Wer keinen Balkon oder Garten hat, kann sich Samen für solche Pflanzenarten besorgen und sie bei einem Spaziergang am Wegrand verteilen. Am besten in Bio-Qualität.

#2 Nistplätze bieten

Wie gesagt, sind unsere Gärten mit reiner Rasenfläche meist zu ordentlich für die Insekten. Mehr als die Hälfte der Bienenarten nisten im Boden, meist an schütteren, sonnigen Stellen. Ein Sandhaufen, von Käfern angefressenes Totholz, abgestorbene Pflanzenstängel oder abgeschnittene Schilfhalme sind ideale Nistplätze. Aber auch Insektenhotels aus Holz mit Bohrlöchern bieten Wildbienen Platz zum Nisten und sehen darüber hinaus nett aus.

#3 Auf Pestizide verzichten

Nicht nur in der Landwirtschaft, auch im privaten Bereich werden häufig Pestizide verwendet, um Insekten, Milben, Pilze oder Unkraut zu vernichten. Verzichten Sie darauf. Ist es schädlich für die Artenvielfalt und außerdem unnötig. Für die meisten "Probleme" gibt es auch natürliche Tipps und Tricks.

#4 Bewusstsein schaffen

Ist den Menschen in Ihrem Umfeld die Problematik bekannt und wissen sie, wie sie helfen können, das Bienensterben zu verhindern? Fragen Sie einmal nach und geben Sie dieses Wissen weiter, falls das nicht der Fall ist.

Übrigens:

#5 Politisch aktiv werden

Immer wieder gibt es Petitionen und andere Aktionen, bei denen jede*r die Stimme für den Erhalt der Artenvielfalt und die dafür nötigen Schritte erheben kann. Werden Sie aktiv und unterstützen Sie solche Aktionen. Sie finden solche häufig auf Webseiten von Tier- und Umweltschutzorganisationen.


UNSER FAZIT FÜR DICH

Nicht nur die Honigbiene, auch die Wildbiene ist wichtig für unser Ökosystem, unsere Lebensmittel und damit unsere Lebensgrundlage. Menschengemachte Ursachen wie die intensive Landwirtschaft mit Monokulturen, Überdüngung und Pestiziden sowie die ordentlichen Gärten ohne Wildpflanzen bedrohen die Bienen stark. Es gibt zu wenig Nahrung und Nistplätze. Doch es ist wichtig und lohnt sich, sich gegen das Artensterben einzusetzen. Und das Beste: das ist sogar oftmals ganz einfach und für alle möglich. Helfen wir mit und retten die Bienen.

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