Hochsensibilität im Job

In letzter Zeit erscheinen sehr viele Artikel über das Phänomen der „Hochsensibilität“ und der Begriff „HSP“ ist in aller Munde. „HSP“ steht für „highly sensitive Person“. Diese Bezeichnung wurde von der amerikanischen Psychologin Dr. Elaine Aaron geprägt. Der folgende Artikel beschäftigt sich mit dem Thema „Hochsensibilität im Job“. Dabei werden Themen aufgegriffen wie: durch welche Merkmale sich hochsensible Personen von normal- sensiblen Personen unterscheiden, wie erkennt man diese Persönlichkeitsdimension bei sich und anderen Menschen und welche Vor- und Nachteile die Hochsensibilität im Job mit sich bringt. Außerdem erhältst du hilfreiche Tipps, wie du als Betroffene / Betroffener am besten damit umgehst.

Hochsensibilität im Job

Bin ich hochsensibel? Der Hochsensibilitäts – Test von Elaine Aaron

Der Begriff der Hochsensibilität wurde in den 1990er Jahren von der amerikanischen Psychologin Elaine Aaron geprägt. Sie entwickelte einen eigenen Fragebogen, mit dem Menschen herausfinden können ob sie hochsensibel sind. Der Test besteht aus 27 Fragen die sich mit Ja/Nein beantworten lassen:

  1. Ich fühle mich leicht überwältigt durch starke Sinneseindrücke.
  2. Offenbar habe ich eine feine Wahrnehmung für Unterschwelliges in meiner Umwelt.
  3. Die Stimmungen anderer Menschen beeinflussen mich.
  4. Ich reagiere eher empfindlich auf körperlichen Schmerz.
  5. Ich habe an geschäftigen Tagen das Bedürfnis, mich zurückzuziehen – entweder in ein dunkles Zimmer oder an einen anderen Ort, wo ich allein sein und mich von der Stimulation erholen kann.
  6. Auf Koffein reagiere ich heftiger als viele andere Menschen.
  7. Ich fühle mich schnell überwältigt von Dingen wie grelle Lichter, starke Gerüche, raue Textilien auf meiner Haut oder Martinshörner in meiner Nähe.
  8. Ich besitze ein reiches, vielschichtiges Innenleben.
  9. Laute Geräusche bereiten mir Unbehagen.
  10. Kunstvolle Musik bewegt mich tief.
  11. Manchmal liegen meine Nerven derart blank, dass ich nur noch alleine sein möchte.
  12. Ich bin ein gewissenhafter Mensch.
  13. Ich bin schreckhaft.
  14. Es bringt mich leicht aus der Fassung, wenn ich in kurzer Zeit viel erledigen muss.
  15. Wenn andere Menschen sich in einer Umgebung unwohl fühlen, weiß ich eher als manche andere, was notwendig ist, um Wohlbefinden herzustellen (zum Beispiel durch eine Veränderung der Beleuchtung oder der Sitzordnung).
  16. Ich werde ärgerlich, wenn man von mir erwartet, zu viele Dinge gleichzeitig zu tun.
  17. Ich gebe mir große Mühe, Fehler zu vermeiden oder Dinge nicht zu vergessen.
  18. Fernsehsendungen und Spielfilme mit Gewaltszenen meide ich.
  19. Ich fühle mich unangenehm erregt, wenn sich um mich herum viel abspielt.
  20. Hungergefühle stören nachhaltig meine Konzentration und beeinträchtigen meine Stimmung.
  21. Veränderungen in meinem Leben treffen mich sehr heftig.
  22. Ich bemerke und genieße feine Düfte, Geschmäcker, Klänge oder Kunstwerke.
  23. Ich empfinde es als unangenehm, wenn ich mich mit mehreren Dingen gleichzeitig beschäftigen muss.
  24. Für mich ist es sehr wichtig, mein Leben so zu organisieren, dass ich Situationen vermeide, in denen ich mich ärgern muss oder die mich überwältigen.
  25. Laute Geräusche, chaotische Szenen und ähnliche starke Reize stören mich.
  26. Wenn ich mit anderen Menschen konkurrieren muss oder beobachtet werde, während ich eine Aufgabe erfülle, macht mich das so nervös und unsicher, dass ich weitaus schlechter abschneide, als ich eigentlich könnte.
  27. Als Kind haben meine Eltern und Lehrer mich als sensibel oder schüchtern angesehen.

 

Wenn du diesen Test nun ausprobiert hast und du mehr als 24 Fragen mit „JA“ beantwortet hast, kann es sein, dass auch du zu den hochsensiblen Menschen gehörst.

 


Was es bedeutet hochsensibel zu sein

Bei Personen mit diesem Persönlichkeitsmerkmal kann man eine erhöhte Sensibilität, sowie eine verstärkte Wahrnehmung für subtile Reize erkennen. Hochsensible Personen verarbeiten und reagieren auf Sinnesreizungen empfindlicher und nehmen sie auch stärker wahr als normal-sensible Personen. Es ist äußert wichtig zu verstehen, dass man als Mensch mit einem solchen Persönlichkeitsmerkmal nicht krank ist! Hochsensibilität ist für viele Psychologen ein eigener Forschungsgegenstand. Es wird geschätzt, dass ca. 20% der Bevölkerung hochsensibel sind. Obwohl hochsensible Menschen nicht zwingend Empathen sind, neigen sie dazu die Gefühle anderer Personen zu absorbieren. So kann es passieren, dass er/sie einen Raum betritt und sofort die Stimmungen von anderen erkennen. Der Grund hierfür ist, dass Feinheiten in der Mimik, Körpersprache und im Tonfall intensiver wahrgenommen werden. Wenn man sich das bewusst macht, ist es kein Wunder, dass es bei Hochsensiblen - gepaart mit ihrem hohen Einfühlungsvermögen, häufig zu emotionaler Erschöpfung im Privat- und Berufsleben kommen kann.


Hochsensibilität im Berufsleben

Hochsensible Menschen verfügen über eine sensiblere Wahrnehmung und nehmen Reize ungefiltert wahr. Im Berufsleben stoßen sie aus diesem Grund oft an ihre Grenzen, wenn das Arbeitsumfeld nicht das Richtige für sie ist. Ein Großraumbüro zum Beispiel, kann für einen hochsensiblen Menschen sehr herausfordernd sein. Hierbei ist der Lärmpegel, den so ein Büro mit sich bringt, nicht zu unterschätzen. Aufgrund ihrer ungefilterten Reizwahrnehmung können sie davon sehr gestresst werden. Andererseits blühen sie im richtigen Job auf und können vorbildliche ArbeitnehmerInnen sein, wenn denn das Arbeitsumfeld passt.


Die Stärken hochsensibler Menschen im Job

Die Hochsensibilität hat jedoch auch viele Vorteile. Aufgrund ihrer feinen Wahrnehmung sind sie oft sehr gut in Berufen aufgehoben, die ein hohes Einfühlungsvermögen und eine bestimmte Flexibilität im Denken voraussetzen. In sozialen Berufen, die ihnen ein gewisses Maß an selbstständigem Arbeiten erlauben, fühlen sie sich besonders wohl. Viele selbstständig tätige Menschen weisen einen hohen Score beim Hochsensibilitätstest auf und wagen daher den Schritt ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Da hochsensiblen Personen nachgesagt wird, dass sie gut zuhören können, viele unterschiedliche Interessen haben und sehr gut im Aufspüren von Fehlern sind, ist es sehr gut möglich, dass sie ihre Stärken in der Selbstständigkeit erfolgreich ausleben können. Aber auch Kreativität und eine hohe Problemlösekompetenz sind Talente, die hochsensible ArbeitnehmerInnen in den meisten Fällen mitbringen.


Stressmanagement für hochsensible Personen

Solltest du hochsensibel sein und manchmal auch unter Reizüberflutung im privaten und beruflichen Bereich leiden, sind die folgenden Tipps zum Stressmanagement vielleicht hilfreich für dich:

  • Situationen visualisieren
    Als hochsensibler Mensch erlebt man oft das Phänomen, dass allein der Gedanke an eine bestimmte, neue Situation das Gefühl von Stress auslöst. Oft hilft es, wenn du dir die Situation konkret vorstellst und du so deine Energien kanalisierst. Wenn du zum Beispiel eine Präsentation im Job halten musst, stelle dir zuvor den Raum intensiv vor und visualisiere, wie du dein Publikum von deinem Thema überzeugst.
  • Bewusstes Atmen
    Menschen halten in herausfordernden Situationen oft unbewusst ihren Atem an. Vielleicht gehörst du auch zu diesen Menschen, die bei Stress oder Aufregung die Luft anhalten. Vielleicht hast du dich auch schon an deine flache Atmung gewöhnt. Fakt ist, dass tiefes ein- und ausatmen das Stresslevel verringern kann. Wie alle Gewohnheiten lässt sich auch das Atmen trainieren.
  • Sich Auszeiten nehmen
    Wenn du in einem sehr stressigen Job arbeitest, solltest du dir immer wieder kleine Auszeiten gönnen. Statt in der Mittagspause in die volle Kantine zu gehen, die eventuell eine noch größere Reizüberflutung auslöst, könntest du einen belebenden Spaziergang an der frischen Luft machen.
  • Sich nicht mit anderen vergleichen
    Hochsensibel zu sein ist etwas Besonderes. Leider ertappt man sich trotzdem hin und wieder dabei, sich mit Menschen zu vergleichen, die normal - sensibel sind. Das hat absolut keinen Sinn. Sei zufrieden wie du bist und schließe Frieden damit und lerne deine Sensitivität zu schätzen.
  • Nein zu Perfektionismus sagen
    Vielleicht kennst du das Gefühl alles perfekt machen zu wollen. Besonders hochsensible Personen neigen dazu, über alle möglichen Situationen nachzugrübeln und sich selbst für Dinge zu kritisieren, die schon lange vorbei sind. Hör damit auf! Perfektion existiert nicht, also lass los und du wirst sehen um wieviel befreiter du dich fühlen wirst.
  • Kaugummi kauen;
    In Akutsituationen einen Kaugummi kauen oder Wasser trinken, dass lenkt von den auf einem einströmenden Reizen ab.

UNSER FAZIT FÜR DICH

Zusammenfassend kann man sagen, dass es einige Vorteile mit sich bringt hochsensibel zu sein. Leider nehmen viele Menschen dieses Persönlichkeitsmerkmal als „Schwäche“ oder „Makel“ wahr. Hochsensible Menschen, sind aber – im Gegenteil – eine Bereicherung für ein jedes Unternehmen. Durch ihre feine Wahrnehmung und ihre Kreativität können sie auch komplexe Aufgaben meistern. Sie brauchen nur das richtige Arbeitsumfeld, um ihre Stärken entfalten zu können. Es bleibt zu hoffen, dass mehr Unternehmen auf die Vorteile und Stärken, die ein hochsensibler Mensch mitbringt, aufmerksam werden und diese Talente fördern.

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