Lücken im Lebenslauf? Tipps für die "Rechtfertigung"

Die Suche nach einem neuen Job, einer neuen beruflichen Herausforderung oder auch einem Abteilungswechsel haben eines gemeinsam: Immer wieder aufs Neue werden die Bewerbungsunterlagen eingefordert. Der (gute und lückenlose) Lebenslauf scheint für die Arbeitgeber das wichtigste Dokument zu sein und wird dementsprechend als erstes analysiert. Enthält er Fehler, eine schlechte Strukturierung, eine unsaubere Darstellung oder gar Lügen, naht das Aussortieren. Der erste Eindruck zählt – das ist der Auftritt für einen guten Lebenslauf! Was aber, wenn dieser einige Lücken aufweist? Gerade dieser Umstand macht vielen Bewerber*innen zu schaffen. Trifft das auch bei deinen Bewerbungsunterlagen zu, dann keine Sorge: Du bist damit nicht allein. Jetzt kommt es nur darauf an, was du daraus machst.

Lücken im Lebenslauf? Tipps für die "Rechtfertigung"

Was bedeutet lückenloser Lebenslauf?

Bevor wir uns in die Argumentationen stürzen, wie du die Lücken in deinen Bewerbungsunterlagen erklären, rechtfertigen oder auch verschönern kannst, möchten wir erst die Begrifflichkeiten klären: Was bedeutet denn überhaupt lückenloser Lebenslauf?

Unter einem lückenlosen Lebenslauf wird eine Ausbildungs- und Berufslaufbahn verstanden, die ohne Abbrüche vorgewiesen werden kann. Das heißt, dass zur angegebenen Zeit die Ausbildungsphase nicht unterbrochen wurde und anschließend durchgehend ein aufrechtes Arbeitsverhältnis bestand.

Wurde demnach die Ausbildung frühzeitig beendet oder das Arbeitsverhältnis geht in ein Arbeitslosenverhältnis über, so spricht man von Lücken. Was es nun damit auf sich hat, lernen wir in den folgenden Zeilen.

Du stehst noch ganz am Anfang und hast noch keinen Lebenslauf fertiggestellt? Dann empfehlen wir dir erst unseren Beitrag „Lebenslauf kreativ vs. klassisch“ durchzulesen. Dieser gibt dir eine praxisnahe Hilfestellung, wie du zu einem schön strukturierten Lebenslauf kommst, der noch dazu zu deiner Branche passt.

Ein Beispiel eines lückenfreien Lebenslaufs:

  • 07/2018 - 11/2019: Beschäftigt bei der Firma XY als Marketingmitarbeiter
  • 12/2019 - 08/2020: Beschäftigt bei der Firma YZ als Projektleiter
  • seit 09/2020: Beschäftigt bei der Firma AB als Marketingmitarbeiter

Dieser Mitarbeiter kann ein durchgehendes Arbeitsverhältnis vorweisen, in dem er im einen Monat ein Unternehmen verließ und direkt im nächsten Monat (nach Vollendung der Kündigungsfrist) in ein neues Verhältnis einstieg. Es herrschte also zu keinem Zeitpunkt eine Arbeitslosigkeit.

Ein Beispiel eines Lebenslaufs mit Lücken:

  • 07/2018 - 09/2019: Beschäftigt bei der Firma XY als Marketingmitarbeiter
  • 01/2020 - 08/2020: Beschäftigt bei der Firma YZ als Projektleiter
  • seit 09/2020: Beschäftigt bei der Firma AB als Marketingmitarbeiter

Dieser Mitarbeiter hingegen weist zwischen Oktober 2019 bis Januar 2020 eine große Lücke von drei Monaten auf, die es bei einem möglichen Vorstellungsgespräch zu erklären gilt. Neue Arbeitgeber interessierten die Geschichte hinter dem beruflichen Werdegang der Bewerber*innen, denn die ermöglicht aufschlussreiche Informationen über die Arbeitsweise und auch Motivation.

Und genau an diesem Punkt liegt die Krux, denn als Bewerber*in musst du dich aus diesem Klischee mit guten Argumenten und sinnvoll herauswinden.


Jetzt lass uns aber in die Praxis eintauchen:

Tolerierbare und „gute“ Lücken – Beispiele für dich:

Sabbatical

Wenn du etwa ein Sabbatical genommen hast und ein Jahr um die Welt gereist bist oder nach dem Schulabschluss erst einmal eine viermonatige Auszeit genommen hast und dabei auf einem Work & Travel warst, dann kannst du das auch genauso in deinem Lebenslauf kommunizieren und am besten auch hinzufügen, was du aus dieser Erfahrung mitgenommen hast. Der Wunsch nach Sabbaticals ist auch möglich, um eine berufliche Auszeit hinzulegen.

Zum Beispiel hast du deine Sprachkenntnisse vertieft oder eine neue Sprache gelernt, oder dich sozial engagiert. Du hast deinen Horizont erweitert und bist in neue Kulturen eingetaucht.

Die lange Suche nach dem ersten Job

Wenn du als Berufseinsteiger*in länger gebraucht hast, um einen Job zu finden, sehen Personaler*innen dies anhand deines Lebenslaufes – und gerade ihnen ist am besten bewusst, wie schwer es Berufsanfänger*in haben, im Berufsleben Fuß zu fassen. Bleib in dieser Zeit nur nicht untätig, sondern bewerbe dich weiterhin und nimm auch unbezahlte Praktika an, wenn sie dich beruflich weiterbringen.

Zeigst du Soziales Engagement? Dann immer rein damit in den Lebenslauf. Welche Vorteile dir das bringen kann, erfährst du in unserem Beitrag „Lebenslauf aufpeppen und gleichzeitig helfen!“.

Pflegefall in der Familie oder Elternkarenz

Auch die Pflege eines Angehörigen oder die Elternkarenz sind Bereiche, die im Lebenslauf Platz finden sollen/können. Wenn du die Pflege für einen Angehörigen übernimmst, zeigt das auch soziale Kompetenz und das ist nichts, wovor du dich verstecken musst. Ganz im Gegenteil, meistens wirst du dafür Anerkennung bekommen.

Sich um einen Pflegefall in der Familie zu kümmern kann große Vorteile für berufliche Situationen ergeben. Strebst du zum Beispiel einen Job im Pflegebereich an, kannst du dafür bereits Erfahrungswerte aufzeigen.

Krankheit

Wenn du selbst aufgrund einer längeren Krankheit keiner Tätigkeit nachkommen konntest, dann genügt es, diese Fehlzeit mit „Krankheit“ zu kennzeichnen – es ist nur wichtig sicherzustellen, dass du wieder fit bist und auch eine vollständige Genesung bestätigen kannst. Es ist außerdem nicht notwendig, dass du die detailreichen Gründe niederschreibst. Meist gehen Arbeitgeber mit diesen Situationen sehr verständnisvoll um.

Auch in dieser Situation gibt es Vorteile für deine Jobchancen: Vielleicht hat es die Krankheit zugelassen, sich in der längeren Zeit weiterzubilden, Fachbücher zu lesen oder sich darüber klar zu werden, welchen beruflichen Weg man danach anstreben möchte.

Falsche Studienwahl

Nicht immer ist die erste Studienwahl die richtige – ein Wechsel ist durchaus zulässig, sofern du nicht jedes Jahr eine Umorientierung vorgenommen hast. Wenn durch den Wechsel ein paar Monate ohne Beschäftigung entstehen, dann kannst du diese fehlenden Monate auch damit begründen. Ebenso gilt es für eine neue Ausbildung, weil die erste Wahl nicht so verlief, wie gewünscht – so etwas kommt vor und ist menschlich.

Dennoch, erklären wirst du es beim Vorstellungsgespräch trotzdem. Lege dir also auch dafür wesentliche Beweggründe bereit, die vielleicht für deine beworbene Position von Vorteil sein könnten.

(Unverschuldete) Kündigung

Im Falle einer unverschuldeten Kündigung, etwa durch Insolvenz des Arbeitgebers, solltest du diesen Umstand auch in deinem Lebenslauf anführen – schließlich kannst du nichts dafür. Dauert die Jobsuche dann länger, erwähne unbedingt, dass du auf der Suche nach dem optimalen Job für dich warst. Das zeigt auch, dass du weißt, was du möchtest. Unterm Strich wissen Personaler*innen auch, dass zufriedene Mitarbeiter*innen jene sind, die länger im Unternehmen bleiben.

Eigene oder (fristlose) Kündigung

Hier wird es etwas ungemütlicher. Anders ist es, wenn du selbst gekündigt hast oder gekündigt wurdest: Bei diesen Umständen werden Personaler*innen hellhörig und wollen wissen, wie es dazu kam. Bleib dabei unbedingt sachlich und professionell und ziehe nicht über deinen letzten Arbeitgeber her. „Es hat nicht gepasst“ oder „Es gab keine Weiterentwicklungsmöglichkeiten“ genügen als Begründung.

Tolerierbare und gute Lücken im Lebenslauf


Mögliche Gründe für einen lückenreichen Lebenslauf

Wir wissen nun, mögliche Ursachen für eine unterbrochene Berufslaufbahn sind vielseitig. Schuldzuweisungen sind an dieser Stelle fehl am Platz, denn die Vergangenheit ist vorbei und es wird für einen Abbruch genügend Gründe gegeben haben. Der Ursprung an dem unbeliebten Inhalt liegt meist lange zurück. Etwa bei der Auswahl des zu erlernenden Berufs, vor der Lehrzeit oder vor der Entscheidung für ein Studium.

Fakt ist: Die reinen Zeitangaben in deinem Lebenslauf sind nicht das Problem und selten ein K-O-Kriterium per se. Personalverantwortlichen ist bewusst, dass es mit dem Berufseinstieg einmal länger dauern kann und es gibt auch Verständnis dafür, wenn du doch einmal das Studium gewechselt hast und vielleicht auf einen neuen Studienplatz warten musstest. Niemand erwartet, dass es mit deiner Karriere schnurstracks voran geht – gerade Bewerber*innen mit Ecken und Kanten sind gerne gesehen.

Es bleibt nur die Frage, wie du die Lücken in deinem Lebenslauf verkaufst!

Ein weiterer Tipp, solltest du mit dem Gedanke spielen, die Informationen zu kaschieren oder gar zu umgehen. Das gute alte Sprichwort "Ehrlichkeit währt am längsten" triffts in diesem Fall ganz gut zu. Lieber du weißt längere Phasen gut zu argumentieren, als dass dein möglich künftiger Arbeitgeber dir auf Lügen draufkommt. In der Position als Bewerber*in sollte man nie vergessen, dass die Personalverantwortlichen auf derartige Situationen geschult sind und eine berufliche Situation meist auch ohne Erklärungen recht gut einschätzen und auch interpretieren können! Aber dazu kommen wir weiter unten nochmals darauf zurück.


Mut zu Lücke - jetzt wird argumentiert!

Klar, wenn du mehrere Monate aus Sicht des Personaler „nichts“ getan hast, dann bietet dieser Umstand keinen Nährboden für Interpretationen und Spekulationen. Automatisch stellt man sich die Frage, warum du innerhalb eines längeren Zeitraums keinen Job gefunden hast, was du in dieser Zeit getan hast und warum es dir so schwergefallen ist, einen Beruf zu finden. Eine lange Arbeitslosigkeit vorzuweisen, ist leider nie ein Vorteil, jedoch mag es auch dafür gute Erklärungen geben.

Es kommt also auf eine geschickte Formulierung an.

Jede Lücke hat auch eine positive Seite und für dich gilt es, diese zu identifizieren und zu zeigen. Dabei ist die Kommunikation entscheidend, so sollte zum Beispiel das Wort Arbeitslosigkeit mit anderen Worten zum Ausdruck gebracht werden:

  • Statt arbeitslos schreibe lieber arbeitssuchend.
  • „Suchend“ wirkt viel aktiver und engagierter, hingegen wirkt „los“ eher antriebslos und lahm.

Wenn es länger gedauert hat, bist du einen passenden Job gefunden hast,

  • dann formuliere diese Zeit als „Berufliche Neuorientierung um die Position XY“. Wenn du dich bewusst für eine Auszeit entschieden hast, dann stehe dazu – etwa, um voll motiviert in eine neue Herausforderung zu starten.

Merkst du den Unterschied? Nur weil es ein paar Monate nicht glatt gelaufen ist, heißt es nicht, dass du in dieser Zeit nichts getan hast. Sammle Pluspunkte, indem zu Weiterbildungen besucht, Praktika annimmst und signalisierst, dass du nicht untätig warst. Überzeuge mit Soft Skills und Kreativität, um deine Wunsch-Position zu bekommen.

Eine Lücke im Lebenslauf ist nur dann ein Problem, wenn sie für dich keines darstellt!


Lücke vertuschen, füllen, kaschieren oder gar falsche Angeben?

Wenn du dir jetzt denkst „Gut, dann verheimliche ich die paar Monate einfach im Lebenslauf, dann ist es doch viel leichter“, dann können wir nur raten: Tu es nicht.

Du kannst dir sicher sein, dass deine Lücken gefunden werden, denn darauf sind Personaler spezialisiert. Wenn du solch wichtige Punkte verschweigst, leidet auch deine Glaubwürdigkeit darunter. Wie ein erster Eindruck mit Lügen im Gepäck ankommt, kannst du dir wohl vorstellen.

Stattdessen: Steh zu Lücken und führe deinen Lebenslauf chronologisch!

Der tabellarisch chronologische Aufbau anwenden

Statt deinen Lebenslauf nur mit Jahreszahlen zu füllen, führe deine bisherigen Tätigkeiten unbedingt immer mit Monat und Jahr an – zwar fallen Lücken so schneller auf, aber du bist dabei ehrlich. Alle anderen Strategien sind bereits bekannt und bewirken eher, dass deine Bewerbung aussortiert wird und du gar nicht mehr die Möglichkeit bekommst, im persönlichen Gespräch zu überzeugen.


Der richtige Umgang mit der Lücke

Checkliste für einen guten Lebenslauf:

  • Hab Mut zur Lücke, denn jede Lücke hat auch positive Seiten!
  • Verwende positive Formulierungen (arbeitssuchend statt arbeitslos)
  • Führe immer Monat und Jahreszahl im Lebenslauf an
  • Halte deinen Lebenslauf chronologisch
  • Zeige Einsatz und Engagement durch Weiterbildung oder Praktika
  • Präsentiere dich im Lebenslauf von deiner besten Seite
  • Denk positiv: Die wenigsten Lebensläufe kommen ohne Lücken aus
  • Argumentiere und überzeuge mit Soft Skills

Folgende Punkte solltest du vermeiden:

  • Lücken im Lebenslauf verschweigen oder verschwinden lassen
  • Längere Fehlzeiten unkommentiert lassen
  • Negatives Wording verwenden
  • Im Lebenslauf nur ein Erfahrungsprofil anführen statt eines chronologischen Lebenslaufs
  • Lügen – schließlich sind sie ein Kündigungsgrund

Storytelling im Lebenslauf

Nicht nur das Bewerbungsschreiben, auch der Lebenslauf eignet sich, um dich in Form einer Geschichte gut darzustellen. Das Stichwort lautet: Storytelling! Der Lebenslauf ist deine Person in Kurzform und Personaler lesen deine Kompetenzen ab. Das bringt dich deinem neuen Job näher!

Was bedeutet Storytelling?

Kurz zusammengefasst geht es bei dieser Kommunikationstaktik darum, Informationen und Fakten so in eine Geschichte zu verpacken, dass sie beim Leser Emotionen hervorrufen und Bilder im Kopf erzeugt werden. So kannst du auch mit dieser Methode erklären, warum dein bisheriger Werdegang nicht geradlinig verlaufen ist – Schwächen und Fehlschläge gehören zum Leben. Was zählt ist, wie du damit umgegangen bist. Das ist es, was deinen künftigen Arbeitgeber interessiert.

Der große Vorteil, wenn du das Storytelling integrierst: Du rufst emotionale Effekte hervor und bleibst damit länger im Gedächtnis. Das hebt dich von der Masse der Bewerber*innen ab und macht dich interessant. Vielleicht so interessant, dass du zu einem Gespräch eingeladen wirst. Wie du dich als Person, vom Lebenslauf angefangen, bis zum Anschreiben und beim persönlichen Gespräch verkaufst, macht dann den Unterschied aus, ob du den Job bekommst oder eben nicht.

UNSER FAZIT FÜR DICH

Der erste Eindruck zählt! In unserem Kontext ist das der erste Blick auf den Lebenslauf. Dementsprechende Sorgfalt sollte ihm bei der Gestaltung gewidmet werden.

Gestalte deinen Lebenslauf positiv, aber ehrlich. Interpretiere deine (auch längeren) Lücken positiv und zeige, was du aus ihnen mitgenommen hast. Zeige Aktivität und Engagement und bleibe selbstbewusst. Personaler spüren spätestens im Vorstellungsgespräch, ob du vorbereitet bist und zu deiner Vergangenheit stehst, oder ob du nur versuchst, falsche Angeben zu deinen beruflichen Situationen zu machen.

Keine Angst, wenn du im Vorstellungsgespräch über deine Lücke ausgefragt wirst, denn dann ist deine Chance gekommen, dich gut zu verkaufen und mit Soft Skills zu überzeugen. Wichtig ist eines: Sei ehrlich und sachlich.

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