Bereitschaft zur Überzahlung - was bedeutet das?

In Stelleninseraten liest du oft, dass Arbeitgeber*innen bereit sind, mehr als das kollektivvertragliche Mindestgehalt zu bezahlen. Das klingt zunächst großzügig - trifft aber oft nicht ein, wenn Arbeitnehmer*innen ihre Rechte nicht kennen oder sich in den Gehaltsverhandlungen zu schnell einschüchtern lassen. Wir verraten dir, wie du am besten zu einer angemessenen Entlohnung kommst, die auch deinem Talent entspricht.

Bereitschaft zur Überzahlung - was bedeutet das?

Was bedeutet Überzahlung?

Der Begriff Überzahlung erscheint trügerisch, erweckt er doch den Glauben, dass Angestellten in solchen Fällen "zu viel" gezahlt wird und sie mehr Lohn bekommen, als angemessen ist. Aber das ist falsch: Der Begriff beschreibt lediglich, dass mehr bezahlt wird, als der jeweilige Kollektivvertrag vorgibt. Der Kollektivvertrag bestimmt das Mindestgehalt, der wirkliche Lohn gilt als "Ist-Lohn". Die Differenz zwischen beiden nennt man schließlich Überzahlung. Besonders in Zeiten der Inflation ist es für Angestellte wichtig, ihre Rechte bei den Gehaltsverhandlungen zu kennen und so einen höheren Lohn zu erzielen.


Was ist der Kollektivvertrag?

Beim Kollektivvertrag handelt es sich um eine schriftliche Abmachung zwischen den Gewerkschaften in Österreich und den Vertreter*innen der Wirtschaftskammer oder anderen freien Arbeitgeber*innen. Er wird jährlich neu verhandelt. Der Gewerkschaftsbund versucht dabei, bessere Arbeitsbedingungen für die Arbeitnehmer*innen zu schaffen. Für nahezu jeden Job gibt es einen eigenen Vertrag, der bei der Wirtschaftskammer Österreich gelistet ist. Die Bestimmungen darin sind dann für alle Arbeitnehmer*innen in diesem Fachbereich gültig, das Arbeitsgesetz gibt dabei nur den Rahmen vor.

In Österreich sind 98 Prozent aller Beschäftigten durch Kollektivverträge geschützt. Die Vereinbarungen dürfen nicht gegen Verfassungs-, Bundes- und Landesgesetze verstoßen. Damit ein Kollektivvertrag gültig wird, muss er beim Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz eingereicht werden.

Wichtig: Unter dem kollektivvertraglichen Mindestlohn zu bezahlen, ist verboten! Du kannst dieses Gehalt also durchaus einfordern.


In welchem Fall bekomme ich eine Überzahlung?

Unternehmen sind oft bereit, mehr zu zahlen, wenn gewisse Kriterien seitens der Arbeitnehmer*innen erfüllt werden. Dazu zählt zum Beispiel

  • die Berufserfahrung,
  • die Ausbildung oder
  • gewisse Zusatzqualifikationen.

Wenn du das Gefühl hast, dass du für den Job bessere Voraussetzungen erfüllst, als der Durchschnitt der Bewerber*innen, solltest du in den Gehaltsverhandlungen auf jeden Fall auf einen Lohn abzielen, der über dem kollektivvertraglichen Mindestgehalt liegt. Auf kärntnerjobs.at findest du einen Brutto-Netto-Rechner, mit dem du das durchschnittliche Gehalt in einer Branche herausfinden kannst. Im Inserat nennen Dienstnehmer*innen auch oft Gehaltsspielräume, innerhalb derer sie bereit sind, mit dir zu verhandeln.


Wie hoch ist die Überzahlung?

Was viele nicht wissen: Unternehmen sind oft dazu bereit, mehr als das kollektivvertragliche Mindestgehalt zu zahlen. In der Regel ist eine Bezahlung von 10 bis 20 Prozent über dem Mindestlohn üblich. Wenn du dich aufgrund deiner Talente besonders gut für den Job eignest, kann sie aber auch weitaus höher ausfallen. In der Regel gilt: Versuche, dein Gehalt in den Verhandlungen zunächst hoch anzusetzen, weil es später immer noch nach unten verhandelt werden kann.


Wann sollte ich eine Überzahlung auszuhandeln?

VARIANTE 1: Vor dem Arbeitsverhältnis

Grundsätzlich solltest du schon im Bewerbungsverfahren darauf achten, ein angemessenes Gehalt zu verhandeln. Seit 1.1.2011 sind Arbeitgeber*innen gesetzlich dazu verpflichtet, ein bestimmtes Mindestgehalt laut Kollektivvertrag oder den Mindestlohntarif im Inserat anzugeben. Du kannst diesen Wert, falls nicht in der Ausschreibung findest, also bereits im per E-Mail einfordern, um dich so bestens auf die Verhandlungen vorzubereiten.

VARIANTE 2: Nach einem Jahr

Doch nicht nur zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses ist es wichtig, über das Gehalt zu sprechen. Kollektivverträge ändern sich jährlich und steigen in Inflationszeiten meistens an. In diesem Fall solltest du dich an deine Vorgesetzten wenden und versuchen, dass sich deine Überbezahlung angleicht. Das nennt man Aufrechterhaltung der Überzahlung, die wir die an späterer Stelle genauer erklären.

VARIANTE 3: Nach einer Beförderung

Auch wenn du befördert wirst, ist eine Gehaltsverhandlung zu empfehlen. Immerhin steigert sich ja auch deine Qualifikation und dein Wert, den du für das Unternehmen hast. Das sollte sich das auch in deiner Bezahlung widerspiegeln. Durch eine Beförderung kann es ebenfalls sein, dass sich deine Kollektivvertragsstufe ändert und du nach Gesetz sowieso ein höheres Gehalt einfordern darfst.

VARIANTE 4: Nach einem langen Arbeitsverhältnis

Zuletzt sollte sich auch deine Loyalität bezahlt machen: Wenn du lang bei einem Unternehmen angestellt bist und deine Treue zeigst, steigert sich auch die Wahrscheinlichkeit, dass du an mehr Gehalt kommst. Lass dich also nicht ausnutzen und spreche deinen Chef oder deine Chefin darauf an, dass du für deine Hingabe zur Firma belohnt werden möchtest.

Meist werden die Varianten 2 – 4 innerhalb Mitarbeitergesprächen geregelt, das dir übrigens auch jährlich gesetzlich zusteht. Mit einem Mitarbeitergespräch (auch als Feedback-Gespräch bezeichnet) wird deine Leistung analysiert, Zielvereinbarungen verhandelt und/oder Entwicklungsschritte abgesteckt. Primär verfolgen diese Unterhaltungen das Ziel, die Motivation und Zufriedenheit der Arbeitnehmer*innen zu fördern und diese für spezifische Fachbereiche auszubauen.


Was bedeutet "Aufrechterhaltung der Überzahlung"?

Du fragst dich sicherlich, ob deine Überzahlung auch in Relation steigen wird, wenn der Mindestlohn laut Kollektivvertrag erhöht wird. Um diese Frage zu beantworten, musst du dir den jeweiligen Dienst- und Kollektivvertrag ansehen. In manchen Kollektivverträgen gibt es Klauseln, dass Überzahlungen aufrechtzuerhalten sind. Fordere auch ein, dass solch eine Klausel in deinem Dienstvertrag enthalten ist.


Was kann mir dabei helfen, besser bezahlt zu werden?

Grundsätzlich gilt es, in der Verhandlung Mut zu zeigen und dem Arbeitgeber*innen deinen Wert für den Betrieb zu verdeutlichen. Lass dich nicht von einem dominanten Gegenüber einschüchtern und vertraue auf deine Talente. In Österreich mangelt es in vielen Branchen an Fachkräften und Spezialist*innen - das für Arbeitnehmer*innen ist Ass im Ärmel, wenn es in die Gehaltsverhandlung geht. Wenn du die nötige Ausbildung und Erfahrung für den Job hast, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass nur einer von wenigen Aspirant*innen im Bewerberpool bist, die für die Stelle überhaupt infrage kommen. Dementsprechend werden Firmen gewillt sein, auch etwas mehr Geld auf den Tisch zu legen. Mach Ihnen deutlich, dass sie dich brauchen - und nicht umgekehrt.

Liefere auch die richtigen Argumente. Stell dir eine Liste zusammen, mit welchen Aspekten du deinen Vertragspartner von einer Überzahlung überzeugen kannst. Bist du vielleicht

  • sogar überqualifiziert für den Job oder
  • hast in diesem Bereich bereits 5 Jahre Erfahrung oder mehr?
  • Ist bereits ein anderes Unternehmen an dir interessiert, das mehr bezahlt?
  • Bist du bereits lange für das Unternehmen tätig und leistest hervorragende Arbeit?

All das sind Gründe, die deine*n Arbeitgeber*in dazu veranlassen können, ein paar Euro pro Monat mehr in dich zu investieren. Stelle deine zukünftigen Vorgesetzten aber nicht sofort vor vollendete Tatsachen: Ein "Ich verlange das Gehalt, ansonsten bin ich weg" könntest du dein Gegenüber verärgern. Bleibe bei den Verhandlungen daher stets professionell und realistisch. Und denke daran, nicht nur der Gehalt fördert die Zufriedenheit im Job. Heute sind attraktive Benefits für Mitarbeiter*innen im Trend. Auf Grund des Fachkräftemangels sind Arbeitgeber gefordert, sich attraktiv am Arbeitsmarkt zu präsentieren. Dafür sind quasi Goodies für potenzielle Bewerber*innen eine geeignete Möglichkeit, auf das Unternehmen auf positive Art aufmerksam zu machen.


UNSER FAZIT FÜR DICH

Es ist dein gutes Recht, für gute und qualifizierte Arbeit auch einen angemessenen Lohn zu erhalten. Du solltest dich also unbedingt mit dem Thema Überzahlung auseinandersetzen und dich gut auf Gehaltsverhandlungen vorbereiten. So bist du auch deinem zukünftigen Dienstnehmer gegenüber gewappnet und kannst im Endeffekt den Lohn erzielen, den deine Arbeit verdient.

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