Mobbing am Arbeitsplatz

Wenn Schüler*innen von mehreren Klassenkamerad*innen gemobbt werden oder Menschen in sozialen Netzwerken beschimpft oder bedroht werden - Stichwort Cyber-Mobbing, liegt es klar auf der Hand. Am Arbeitsplatz ist Mobbing jedoch viel schwerer zu erkennen. Es wird hinter dem Rücken getuschelt und gelästert, die eigentlich sonst gute Arbeit wird ohne jeden Grund schlecht gemacht oder wichtige Informationen werden bewusst zurückgehalten. Unabhängig von der Art ist es für Opfer oft schwer, sich dagegen zu wehren. Egal Ob in der Schule, im Verein, am Arbeitsplatz oder sogar im Freundeskreis. Für die Betroffenen wird der Alltag zum Albtraum und Privatleben sowie Gesundheit leiden unter den Folgen, oft jahrelang und trotz Therapie. In unserem Artikel zeigen wir dir die Unterschiede auf und wie du dich schützen kannst. Falls du eine Betroffene Person bist hole dir bitte professionelle Hilfe - du bist nicht allein und musst das auch nicht alleine durchstehen.

Mobbing am Arbeitsplatz

Was bedeutet Mobbing (am Arbeitsplatz)?

Mobbing am Arbeitsplatz ist ein schleichender Prozess, der oft schwer nachweisbar ist. In den meisten Fällen weiß auch der Arbeitgeber nicht über die Umstände in seinem Unternehmen Bescheid, da es viel häufiger zwischen Arbeitnehmer*innen passiert. Besonders in großen Firmen bietet eine gewisse Anonymität den Mobbern Schutz. Eine Anti-Mobbing-Strategie ist daher sehr zu empfehlen, um dem ganzen Thema entgegen zu wirken. Es passiert auch sehr schnell, dass Vorgesetzte zu Mitwissern werden, unternehmen aber nichts diesbezüglich und informieren auch nicht den Arbeitgeber. Man will ja nicht zwischen die Fronten geraten oder selber zum Opfer am Arbeitsplatz werden.

Entscheidend für die Definition ist die Absicht des Mobbers und ob es sich um Einzelfälle handelt oder ob die Vorfälle wiederholt über einen längeren Zeitraum auftreten. Bislang gib es in Österreich keine gesetzliche Definition. Der Begriff wird anhand des konkreten Einzelfalls beurteilt, ob es sich um gezieltes Schikanieren handelt. Jedoch muss dabei zwischen tatsächlichem Mobbing und anderen Formen von Abneigung oder falschem Verhalten differenziert werden. Nicht immer, wenn man sich von Kollegen schlecht behandelt fühlt, liegt automatisch Mobbing vor. So kann beispielsweise schlechte Stimmung im Team aus unterschiedlichsten Gründen herrschen, mit Mobbing hat das jedoch erst einmal nichts zu tun. Entscheidend sind dabei laut Definition zwei Faktoren und Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit es sich aus Sicht des Arbeitsrechts um Mobbing handelt.

Systematisch

Erst wenn die Schikane durch den Arbeitgeber oder Arbeitnehmer systematisch und damit zielgerichtet erfolgt, liegt eine strafbare Handlung vor. Vorher ließe sich das Fehlverhalten als „einmaliger Ausrutscher“ entschuldigen.

Wiederholt

Mobbing muss über einen längeren Zeitraum erfolgen. Nicht jeder Vorfall, der einem übel aufstößt, ist schon gezielter Psychoterror. Zum Nachweis und zur Dokumentation braucht es daher einen Leidensweg.

Folgende Beispiele fallen ebenfalls darunter:

  • fortgesetzte Tätlichkeiten
  • sexuelle Belästigungen
  • Demütigungen
  • Diskriminierungen
  • grundloses Herabwürdigen der Leistung
  • vernichtende Beurteilungen
  • Isolation – auch von der betrieblichen Kommunikation
  • schikanöse Anweisungen, wie das Zuteilen nutzloser oder unlösbarer Aufgaben
  • sachlich unbegründbare Häufung von Arbeitskontrollen

Der Begriff „Mobbing“ selbst stammt vom Englischen „to mob“ ab und bedeutet soviel wie „anpöbeln“, „bedrängen“ oder gar jemanden „fertig machen“ (im Englischen heißt es auch „Bullying“).

Häufig ist es die Folge schlechter Arbeitsorganisation und einem schlechten Betriebsklima: Mitarbeiter, Vorgesetzte und Chef sind bei der Arbeit überlastet, unterfordert oder gelangweilt und kanalisieren ihren Frust auf ein Opfer. Oft trifft es dabei die unsicheren, kontaktarmen, stillen Kollegen. Für sie beginnt dann ein Teufelskreis aus Isolation und Schikane.


Formen von Mobbing am Arbeitsplatz

Schikanieren am Arbeitsplatz kann unterschiedliche Gesichter haben: Ob das bewusste Vorenthalten von Informationen, das Schlechtmachen vor Anderen oder das Verbreiten von Lügen der Betroffenen. Dass E-Mails nicht weitergeleitet werden oder Meetings nicht an alle Mitarbeiter*innen kommuniziert werden, haben viele Arbeitnehmer*innen bereits einmal in Ihrer Karriere erlebt. Das muss auch nicht immer absichtlich passieren. Wir alle wissen, dass kleine Schlampigkeitsfehler gern mal am Arbeitsplatz passieren. Wenn so etwas allerdings wöchentlich oder gar täglich geschieht, spricht man von Mobbing am Arbeitsplatz. Schon kleine Randbemerkungen wie „Frau Maier macht ihren Job nie hundertprozentig“ reichen oft aus, um einen schlechten Eindruck vor anderen Mitarbeiter*innen zu generieren, einen psychischen Druck aufbauen und können auf Mobbing hinweisen. Der Arbeitgeber wird dabei meist außen vorgelassen und bekommt von diesem Thema in den seltensten Fällen etwas mit.

Die häufigsten Arten haben wir hier aufgelistet:

  • Die Person vor Anderen schlechtmachen
  • Die Person vor Anderen schlechtmachen
  • Lügen verbreiten
  • „Ins Messer laufen lassen“
  • Übersehen werden
  • Falsche Informationen bekommen

Mobbing zeichnet sich immer durch seine Regelmäßigkeit aus. Eine regelmäßige Arbeitsunter- oder Arbeitsüberforderung sowie Arbeitsentzug kann ebenfalls eine Form der Schikane darstellen. Hier ist es sehr wichtig, dass man sich als Arbeitnehmer hinstellt und seinen Arbeitgeber informiert und mit einbezieht und darüber informiert, dass man seine Arbeit nicht ordnungsgemäß verrichten kann aufgrund der oben genannten Punkte.

Im beruflichen Kontext werden darüber hinaus noch zwei weitere Arten des differenziert:

Bossing

Dabei handelt es sich um das Mobbing durch Führungskräfte. Vorgesetzte halten ihre Mitarbeiter*innen bewusst klein, grenzen sie aus oder machen sie regelmäßig schlecht vor Anderen. Auch unbegründete arbeitsrechtliche Sanktionen, eine Versetzung weitab des Teams, das Androhen von Kündigung ohne Grund oder die Erteilung eines Redeverbots bei der Arbeit können Arten des Bossings sein.

Staffing

Dabei handelt es sich um Mitarbeiter*innen, die ihren Vorgesetzten mobben. Dies kann sich zum Beispiel äußern, indem sie grundlos vom Arbeitsplatz fern bleiben, die Arbeit verweigern, psychischen Druck ausüben und mit Kündigungen drohen, Gerüchte über den Chef verbreiten oder ihn*sie verbal angreifen.

Grundsätzlich kommt Bossing weit häufiger vor als Staffing. Allerdings können auch Führungskräfte Opfer von Schikanen werden, wenn sich mehrere Mitarbeiter*innen gegen den Vorgesetzten verbünden.

Differenzierung

Zwischen einer einzelnen bösen Bemerkung und Mobbing muss klar differenziert werden. Der Begriff Mobbing wird oft zu schnell verwendet. Können einzelne Streits mit der Kollegin bereits als Mobbing-Fälle gewertet werden oder sind sie als harmlos abzutun? Werde ich ausgegrenzt, nur weil es plötzlich still wird, wenn ich auf die Raucherterrasse komme? Oder wenn mein Chef mich nicht ausreden lässt? Die Grenzen sind hier fließend. Eine Weisung, eine Verwarnung oder eine Kündigung können oft auch begründet sein und müssen nicht unbedingt mit einer Böswilligkeit zu tun haben. Wichtig ist es daher, jeden Einzelfall individuell zu beurteilen und herauszufinden, ob eine gewisse Regelmäßigkeit in der konfliktbelasteten Kommunikation vorliegt oder ob die Kündigung völlig ungerechtfertigt war.

Es kann jede und jeden treffen

Mobbing betrifft nur Randgruppen, die mit dem Arbeitsleben schlecht zurechtkommen? Weit gefehlt! Es gibt keine speziellen Typen von Opfern. Personen aus allen gesellschaftlichen und beruflichen Schichten können betroffen sein. Oft wollen gerade Führungskräfte nicht zugeben, dass sie von ihren Mitarbeiter*innen gemobbt werden. Sie befürchten, dass dadurch ihre Souveränität angekratzt wird. Außerdem werden mit Mobbing oft nur „schwache Personen“ in Verbindung gebracht.

Die Folgen von Mobbing

Wer unter regelmäßiger Schikanierungen leidet, kämpft häufig mit körperlichen und psychischen Belastungen. Die Symptome äußern sich ganz unterschiedlich. Zu den psychischen Folgeschäden gehören:

  • Schlafstörungen und Albträume
  • Nervosität und Weinkrämpfe
  • Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Angststörungen und Panikattacken
  • Chronische Erschöpfungszustände bis hin zum Burn-Out
  • Posttraumatisches Belastungssyndrom
  • Depressionen, Persönlichkeitsveränderungen und Apathie
  • Suizidalität

Die Probleme können sich auch psychosomatisch äußern:

  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Magengeschwüre
  • Herz- Kreislaufprobleme und Bluthochdruck
  • Undefinierbare Symptomschmerzen
  • Suchtverhalten (Alkohol und Medikamente)
  • Essstörungen und Verdauungsprobleme

Was kann man gegen diese Misshandlung am Arbeitsplatz tun?

Maßnahmen gegen Mobbing am Arbeitsplatz - kärntnerjobs.at

Mobbing-Tagebuch führen

Du bist Opfer von Intrigen, Arglistigkeiten und Schikanen? Dann halte diese Übergriffe am besten schriftlich und über längere Zeit fest. Dokumentiere Datum, Uhrzeit, den Ort des Geschehens und den Vorfall. Wenn es einzelne Personen als Zeugen gegeben hat, solltest du das ebenfalls notieren. Besprich deine Erlebnisse auch mit Familienmitgliedern und Freunden, um den Vorfall objektiv zu überprüfen. Wenn du dir nicht sicher bist, ob es sich wirklich um Mobbing handelt, kann ein Tagebuch bei der Einordnung der Vorfälle helfen. Die Arbeiterkammer bietet beispielsweise Vorlagen zum Führen eines Mobbing-Tagebuchs sowie ein Formular zum „Mobbing Check“ an.

Ersticke Gerüchte im Keim

Hinter deinem Rücken wird schlecht über dich geredet und die Gerüchteküche brodelt? Dann mache den Verursacher ausfindig und konfrontiere ihn in einem Vier-Augen-Gespräch. Auch wenn der-*diejenige sich nicht dazu bekennt, signalisierst du in einem solchen Gespräch, dass du kein Opfer bist, sondern ein selbstbewusster Gegner. Und du diesen einzelnen Handlungen keine Platz gibst. Mobber geben häufig auf, nachdem sie direkt konfrontiert wurden. Beim direkten Gespräch sollte aber genügend Raum zur Verfügung stehen, dir Konfrontation kann auch mitunter zu körperlicher Gewalt führen zwischen den betroffenen Arbeitnehmer*innen.

Nicht zurückmobben

Begib dich nicht auf das Niveau der Anderen und starte keine Gegenattacken. Egal ob du oder jemand anders gemobbt wird. Die Devise lautet: Sauber bleiben und Gerüchte offen und unaufgeregt mit dem Team bzw. dem Chef besprechen.

Erkenne die Leistung anderer an

Bemühe dich um Menschen, die deine Arbeitsleistungen zu schätzen wissen. Das gelingt dir, indem du die Leistungen anderer anerkennst und das offen zum Ausdruck bringst. So schaffst du für dich und deiner Arbeitskolleg*innen eine angenehme Work-Life-Balance am Arbeitsplatz. Kritik darf und soll auch geäußert werden, aber in einem sachlichen Rahmen. Und bitte mit Begründung.

Zurückhaltung als Berufseinsteiger

Gerade als Berufseinsteiger sollte man sich anfangs noch mit Kritik zurückhalten, da man oft nicht weiß was wirklich dahinter steckt. So können Intrigen, Klatsch und Gerüchte die Folge fehlender Strukturen und Kompetenzbereichen oder einer Firmenkrise sein. Mach dir zuerst ein Bild der Situation.


UNSER FAZIT FÜR DICH

Gutes und konstruktives Feedback ist motivierend und leistungsfördernd, daher ist es wichtig, dieses so zu formulieren, dass es nicht wie eine persönlicher angriff wirkt. Mobbing am Arbeitsplatz kann jede und jeden treffen und wird oft nicht gleich erkannt. Es ist ein schleichender Prozess, der schwer nachweisbar ist. Die angegriffene Person leidet sehr mit ihrer Gesundheit darunter. Sie reichen von Schlafstörungen über Panikattacken bis hin zu Suchtverhalten. Wenn du selbst das Gefühl hast, gemobbt zu werden, dann sprich Konflikte offen an und ersticke die Gerüchte im Keim. Sollte das nicht weiterhelfen, dann notiere alle relevanten Vorfälle in einem Mobbing-Tagebuch. Mit diesen Aufzeichnungen kannst du dich an deinen Vorgesetzten, Arbeitgeber oder den Betriebsrat wenden. Sollte sich die Situation trotz allem nicht bessern, kann eine Versetzung in Betracht gezogen werden. Falls das alles keine Besserung bewirken sollte und ein neuer Job dein einziger Ausweg ist, dann helfen wir dir gerne dabei, deinen Traumberuf zu finden.

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