Mobbing am Arbeitsplatz

Wenn Schüler*innen von mehreren Klassenkamerad*innen schikaniert werden oder Menschen in sozialen Netzwerken beschimpft oder bedroht werden, liegt Mobbing klar auf der Hand. Am Arbeitsplatz ist Mobbing jedoch viel schwerer zu erkennen. In diesem Artikel erfährst du, wie du dich vor Mobbing schützen kannst.

Mobbing am Arbeitsplatz

Was bedeutet Mobbing?

Mobbing am Arbeitsplatz ist ein schleichender Prozess, der oft schwer nachweisbar ist. Entscheidend für die Definition von Mobbing ist, ob es sich um Einzelfälle handelt oder ob die Vorfälle wiederholt über einen längeren Zeitraum auftreten. Bislang gib es in Österreich keine gesetzliche Definition. Es wird anhand des konkreten Einzelfalls beurteilt, ob es sich um Mobbing handelt. Wenn es sich beispielsweise um den Tatbestand geschlechtlicher Diskriminierung handelt, kann dies ein Anlass für eine Schadenersatzforderung wegen Diskriminierung darstellen. In Beratungsstellen wird Mobbing im Beruf häufig so definiert: 

„Unter Mobbing werden (negative) kommunikative Handlungen am Arbeitsplatz verstanden, die von Kolleg*innen oder Führungskräften ausgeübt werden, gegen eine Person gerichtet sind und systematisch und zielgerichtet über einen längeren Zeitraum als ein halbes Jahr, ein- bis mehrmals wöchentlich vorkommen. Ziel ist die Ausgrenzung vom Arbeitsplatz. Dabei sind Betroffene die Personen, über die tiefer liegende betriebliche Probleme ausgetragen werden.“


Formen von Mobbing am Arbeitsplatz

Mobbing am Arbeitsplatz kann unterschiedliche Gesichter haben: Ob das bewusste Vorenthalten von Informationen, das Schlechtmachen vor Anderen oder das Verbreiten von Lügen. Dass E-Mails nicht weitergeleitet werden oder Meetings nicht an alle Mitarbeiter*innen kommuniziert werden, haben viele Arbeitnehmer*innen bereits einmal in Ihrer Karriere erlebt. Wenn so etwas wöchentlich oder gar täglich geschieht, spricht man von Mobbing. Eine weitere Art des Mobbings ist das Schlechtmachen vor Anderen. Schon kleine Randbemerkungen wie „Frau Maier macht ihren Job nie hundertprozentig“ reichen oft aus, um einen schlechten Eindruck vor anderen zu generieren und können auf Mobbing hinweisen. Hier siehst du die häufigsten Arten des Mobbings aufgelistet:

  • Vorenthalten von wichtigen Informationen
  • Die Person vor Anderen schlechtmache
  • Lügen verbreiten
  • „Ins Messer laufen lassen“
  • Übersehen werden
  • Falsche Informationen bekommen

Mobbing zeichnet sich immer durch seine Regelmäßigkeit aus. Eine regelmäßige Arbeitsunter- oder Arbeitsüberforderung sowie Arbeitsentzug kann ebenfalls eine Form des Mobbings darstellen. Im beruflichen Kontext werden darüber hinaus noch zwei weitere Arten des Mobbings differenziert:

Bossing

Dabei handelt es sich um das Mobbing durch Führungskräfte. Vorgesetzte halten ihre Mitarbeiter*innen bewusst klein, grenzen sie aus oder machen sie regelmäßig schlecht vor Anderen. Auch unbegründete arbeitsrechtliche Sanktionen, eine Versetzung weitab des Teams oder die Erteilung eines Redeverbots können Arten des Bossings sein.

Staffing

Dabei handelt es sich um Mitarbeiter*innen, die ihren Chef mobben. Dies kann sich zum Beispiel äußern, indem sie die Arbeit verweigern, Gerüchte über den Chef verbreiten oder ihn*sie verbal angreifen.

Grundsätzlich kommt Bossing weit häufiger vor als Staffing. Allerdings können auch Führungskräfte Opfer von Schikanen werden, wenn sich mehrere Mitarbeiter*innen gegen den Vorgesetzten verbünden.


Differenzierung

Zwischen einer einzelnen bösen Bemerkung und Mobbing muss klar differenziert werden. Der Begriff Mobbing wird oft zu schnell verwendet. Kann ein Streit mit der Kollegin bereits als Mobbing gewertet werden? Werde ich ausgegrenzt, nur weil es plötzlich still wird, wenn ich auf die Raucherterrasse komme? Oder ist es bereits Mobbing, wenn mein Chef mich nicht ausreden lässt? Die Grenzen sind hier fließend. Eine Weisung, eine Verwarnung oder eine Kündigung können oft auch begründet sein und müssen nicht unbedingt mit Mobbing zu tun haben. Wichtig ist es daher, jeden Einzelfall individuell zu beurteilen und herauszufinden, ob eine gewisse Regelmäßigkeit in der konfliktbelasteten Kommunikation vorliegt oder ob die Kündigung völlig ungerechtfertigt war.


Mobbing kann jeden treffen

Mobbing betrifft nur Randgruppen, die mit dem Arbeitsleben schlecht zurechtkommen? Weit gefehlt! Es gibt keine speziellen Typen von Opfern. Personen aus allen gesellschaftlichen und beruflichen Schichten können betroffen sein. Oft wollen gerade Führungskräfte nicht zugeben, dass sie von ihren Mitarbeiter*innen gemobbt werden. Sie befürchten, dass dadurch ihre Souveränität angekratzt wird. Außerdem werden mit Mobbing oft nur „schwache Personen“ in Verbindung gebracht.


Die Folgen von Mobbing

Wer unter Mobbing leidet, kämpft häufig mit körperlichen und psychischen Beschwerden. Die Symptome äußern sich ganz unterschiedlich. Zu den psychischen Folgeschäden gehören:

  • Schlafstörungen und Albträume
  • Nervosität und Weinkrämpfe
  • Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Angststörungen und Panikattacken
  • Chronische Erschöpfungszustände bis hin zum Burn-Out
  • Posttraumatisches Belastungssyndrom
  • Depressionen, Persönlichkeitsveränderungen und Apathie
  • Suizidalität

Die Probleme können sich auch psychosomatisch äußern:

  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Magengeschwüre
  • Herz- Kreislaufprobleme und Bluthochdruck
  • Undefinierbare Symptomschmerzen>
  • Suchtverhalten (Alkohol und Medikamente
  • Essstörungen und Verdauungsprobleme

Was kann man gegen Mobbing tun?

Mobbing-Tagebuch führen

Du bist Opfer von Mobbing? Dann halte Schikanen und Übergriffe am besten schriftlich fest. Dokumentiere Datum, Uhrzeit, den Ort des Geschehens und den Vorfall. Wenn es Zeugen gegeben hat, solltest du das ebenfalls notieren. Besprich deine Erlebnisse auch mit Familienmitgliedern und Freunden, um den Vorfall objektiv zu überprüfen. Wenn du dir nicht sicher bist, ob es sich wirklich um Mobbing handelt, kann ein Tagebuch bei der Einordnung der Vorfälle helfen. Die Arbeiterkammer bietet beispielsweise Vorlagen zum Führen eines Mobbing-Tagebuchs sowie ein Formular zum „Mobbing Check“ an.

Erstricke Gerüchte im Keim

Hinter deinem Rücken wird schlecht über dich geredet und die Gerüchteküche brodelt? Dann mache den Verursacher ausfindig und konfrontiere ihn in einem Vier-Augen-Gespräch. Auch wenn der-*diejenige sich nicht dazu bekennt, signalisierst du in einem solchen Gespräch, dass du kein Opfer bist, sondern ein selbstbewusster Gegner. Mobber geben häufig auf, nachdem sie direkt konfrontiert wurden.

Nicht zurückmobben

Begib dich nicht auf das Niveau der anderen und starte keine Gegenattacken. Die Devise lautet: Sauber bleiben und Gerüchte offen und unaufgeregt mit dem Team bzw. dem Chef besprechen.

Erkenne die Leistung anderer an

Bemühe dich um Menschen, die deine Arbeitsleistungen zu schätzen wissen. Das gelingt dir, indem du die Leistungen anderer anerkennst und das offen zum Ausdruck bringst.

Zurückhaltung als Berufseinsteiger

Gerade als Berufseinsteiger sollte man sich anfangs noch mit Kritik zurückhalten, da man oft nicht weiß was wirklich dahinter steckt. So können Intrigen, Klatsch und Gerüchte die Folge fehlender Strukturen und Kompetenzbereichen oder einer Firmenkrise sein.

UNSER FAZIT FÜR DICH

Gutes und konstruktives Feedback ist motivierend und leistungsfördernd, daher ist es wichtig, dieses so zu formulieren, dass es einen Mobbing am Arbeitsplatz kann jeden treffen und wird oft nicht gleich erkannt. Es ist ein schleichender Prozess, der schwer nachweisbar ist. Die Folgen von Mobbing sind für Betroffene sehr belastend. Sie reichen von Schlafstörungen über Panikattacken bis hin zu Suchtverhalten. Wenn du selbst das Gefühl hast, Opfer von Mobbing zu sein, dann sprich Konflikte offen an und ersticke die Gerüchte im Keim. Sollte das nicht weiterhelfen, dann notiere alle relevanten Vorfälle in einem Mobbing-Tagebuch. Mit diesen Aufzeichnungen kannst du dich an den Betriebsrat wenden. Sollte sich die Situation trotz allem nicht bessern, kann eine Versetzung in Betracht gezogen werden. Falls das alles keine Besserung bewirken sollte und ein neuer Job dein einziger Ausweg ist, dann helfen wir dir gerne dabei, deinen Traumberuf zu finden.

Blogbeitrag von Victoria Romanin

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