Job Crafting: Gestalte deinen Traumjob selbst

„Zwei mal drei macht vier, widewidewitt und drei macht neune, ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt“. Dieses Lied kennt wohl jeder aus seiner Kindheit. Kindern bleibt von diesem Lied vor allem hängen, dass man die Sache mit dem kleinen Einmaleins anscheinend doch nicht allzu eng sehen muss. Zugegebenermaßen ist es für die Kleinsten kaum empfehlenswert, sich eine Scheibe von Pippi Langstrumpfs Mathematikfähigkeiten abzuschneiden, doch eine wichtige Aussage macht die rothaarige Schwedin in ihrem Lied dennoch: „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“. Es geht darum, sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen, aktiv zu werden und nicht nur darauf zu warten, dass die Welt sich von alleine den eigenen Wünschen anpasst. Gleiches lässt sich auch auf die Berufswelt übertragen: nicht einfach auf den Traumjob hoffen, sondern selbst den Traumjob erschaffen. Was zunächst einmal utopisch klingt, wird in der Arbeits- und Organisationspsychologie Job Crafting genannt.

Job Crafting: Gestalte deinen Traumjob selbst

Was bedeutet (Job) Crafting?

Crafting bedeutet im Englischen soviel wie fertigen, gestalten oder basteln. Es geht also wortwörtlich darum, sich selbst seinen Job so zu gestalten, dass er den eigenen Vorlieben und Wünschen entspricht.


Job Crafting in der Praxis – ein Beispiel

Die Forscherinnen Amy Wrzesniewski und Jane Dutton konnten bei einer Untersuchung von Reinigungskräften, die in Krankenhäusern arbeiteten, feststellen, wie grundlegend sich die Befragten – trotz der gleichen Tätigkeit – voneinander unterschieden.

Während die einen ihren Job nicht mochten, ihn anspruchslos fanden und generell eher unmotiviert waren, hatten die Anderen Spaß an der Arbeit, empfanden sie als sinnvoll und hatten das Gefühl, dass sie mit ihrer Tätigkeit Gutes tun.

Wie kommt es zu diesen Wahrnehmungsdifferenzen?

Laut den Forscherinnen unterschieden sich die beiden Gruppen hinsichtlich der Frage, ob sie Job Crafting betrieben oder nicht.

Diejenigen, die ihren Job selbst ein Stück weit mitgestalteten und so Kontrolle über ihre Arbeit erhielten, taten dies in drei Bereichen: bezüglich der Arbeitsaufgaben, der beruflichen Beziehungen und der Wahrnehmung der Arbeit. So machten es sich die Putzkräfte dieser Gruppe zum Beispiel zusätzlich zur Aufgabe Besuchern bei der Orientierung im Krankenhaus zu helfen oder Patienten ein offenes Ohr zu bieten.

Außerdem interagierten sie vermehrt mit Krankenpflegern und anderen Angestellten des Krankenhauses, so dass sie sich mehr als Teil eines großen Ganzen fühlten.

Diese Änderungen des Aufgabenbereichs und der Beziehungen führten auch dazu, dass sie das Gefühl entwickelten, einen sinnvollen Job zu haben mit dem sie Gutes tun und der weit darüber hinausging, lediglich Böden zu putzen.

Quelle der Studie: Wrzesniewski, A. & Dutton, J. (2001). Crafting a Job: Revisioning Employees as Active Crafters of Their Work. The Academy of Management Review, 26(2), 179-201.


Wie kann ich selbst meinen Job verändern und gestalten?

Diese Untersuchungen können verdeutlichen, dass man selbst in Jobs, in denen man einen klar vorgegebenen Auftrag hat, seine Arbeit selbst ein Stück weit mitgestalten kann. Dies geht auf drei Wegen:

Drei Wege, den eigenen Job selbst zu gestalten:

  1. 1. Man kann zum einen sein Aufgabenfeld modifizieren, indem man zum Beispiel zusätzliche mehrwertbringende Aufgaben übernimmt. Diese könnten etwa mit einer erhöhten Verantwortungsübernahme einhergehen.
  2. 2. Des Weiteren kann man seine beruflichen Kontakte beeinflussen. Zum Beispiel dadurch, dass man Projektarbeiten fortan nur noch mit Leuten eingeht, mit denen man gut harmoniert und deren Stärken die eigenen gut ergänzen. Den Kontakt zu Arbeitskollegen, die einem nicht guttun, könnte man hingegen, wenn möglich, meiden.
  3. 3. Und zu guter Letzt kann man auch an seiner Wahrnehmung des Jobs gegenüber arbeiten. Sieht man den Beruf als sinnlose Tätigkeit, die man lediglich ausführt, um Geld zu verdienen, oder hat man das Gefühl, dass man durch seine Arbeit wirklich etwas verändert und etwas für das Allgemeinwohl tut?

Dies sind drei Bereiche, die man beeinflussen kann, um die Arbeitsstelle gemäß den eigenen Wünschen zu modifizieren.


Auch die Vorgesetzten profitieren von Job Crafting

Insgesamt profitieren nicht nur die Arbeitnehmer*innen, die aktives Job Crafting betreiben, sondern selbstverständlich auch deren Vorgesetze, sowie das Unternehmen selbst.

Warum? Naja ganz einfach, entscheidet sich ein*e Mitarbeiter*in für die Umgestaltung seiner Tätigkeiten, bedeutet dies eine „eigentliche“ Zufriedenheit gegenüber seiner Anstellung. Das Verlassen des Unternehmens kommt offensichtlich nicht in Fragen, ansonsten würde nicht am bestehenden Verantwortungsbereich optimiert werden wollen.

Ausschlaggebend für diese Vorgehensweise ist oftmals ein gutes Arbeitsklima. Viele Arbeitnehmer*innen stellen die berufliche Atmosphäre über den Tätigkeitsbereich, denn immerhin verbringen wir mit unseren Arbeitskollegen mehr Zeit als mit Familie, Freunde und Bekannte.

Welche Aussage trifft für dich zu?

a) Ich arbeite lieber in einem Unternehmen mit einem angenehmen Arbeitsklima und entwickle Freundschaften, als dass ich eine überdurchschnittliche Entlohnung erhalte.

b) Für eine gute Bezahlung nehme ich alles in Kauf. Ob das ein stupider Tätigkeitsbereich ist oder ein schlechtes Miteinander ist für mich unrelevant. Geld ist Alles!


Der Einfluss der inneren Kündigung

Ist das Stadium „innere Kündigung“ bereits erreicht, wird auch ein Gespräch über etwaiges Job Crafting keine Erfolgschancen mehr bewirken. An dieser Stelle heißt es früher oder später, sich für eine neue Herausforderung umzuschauen oder sich beruflich umzuorientieren.

Damit es allerdings erst gar nicht so weit kommt, ist die aktive Gestaltung des eigenen Tätigkeitsbereichs die Grundlage für langfristige Zufriedenheit.

Wir Menschen ticken in der Sache alle gleich, sind wir an der Bergspitze angekommen, halten wir uns nach der nächsten Ausschau!


Betreibe Job Crafting!

Job zum eigenen Vorteil modifizieren – ja, das funktioniert:

  • Neue spannende Tätigkeitsgebiete übernehmen
  • Eventuelle Delegation von „langweiligen“ Aufgaben
  • Generelle Bereitschaft für mehr Verantwortungsspielraum
  • Assistenzaufgaben Übernahme und unterstützende Funktion des Vorgesetzen
  • Einstieg in eine Führungsebene oder leitende Funktion (Projektleiter, Teamleiter, etc.)
  • Selbstverständlich folgt daraufhin die Forderung einer Gehaltserhöhung
  • Zielvereinbarungen treffen

Wärst du bereit, ein oder zwei Punkte während deiner derzeitigen Tätigkeit auf dich zu nehmen, dann verfasse ein Konzept und bereite dich für ein Mitarbeitergespräch mit deinem Vorgesetzten vor.

Man nennt diese Art von Konversation auch ein so genanntes Karrieregespräch. Setze klare Ziele und mache deinem Chef deutlich, wo du dich in diesem Unternehmen in einem gewissen Zeitraum siehst bzw. sehen möchtest, ansonsten wird es für eine langfristige Beziehung nicht mehr lange ausreichen. An dieser Stelle ist es den Mitarbeitern durch aus vorbehalten, klare Forderungen und ehrlich zu kommunizieren.

Tritt dich jedoch täglich der Gedanke: „raus hier, kündige endlich!“. Dann wird das leider auch der richtige Weg für dich sein, denn innerlich gekündigt zu haben, bedeutet gleichermaßen es auch so gut wie ausgesprochen zu haben.


Wir fassen zusammen

Wichtig ist jedoch, dass es beim Job Crafting nicht darum geht, seine Arbeit von Grund auf zu verändern, sondern vielmehr darum, seinen bestehenden Job durch kleinere Veränderungen an die eigenen Stärken und Motivation anzunähern und so die Passung zwischen Job und den individuellen Wünschen und Anforderungen zu verbessern. Wenn dir deine Arbeit allerdings wirklich kein bisschen gefällt, wird auch Job Crafting alleine es nicht schaffen, deine bestehende Stelle zu deinem Traumjob zu wandeln. In dem Fall lohnt es sich, nach einer neuen Aufgabe Ausschau zu halten.

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