Berufliche Neuorientierung: Warum es sich lohnt

Schlechtes Gehalt, ein toxisches Arbeitsumfeld oder gar ein Burnout: Die Gründe für Unzufriedenheit im Job sind vielfältig. Wenn der Leidensdruck zu groß wird, kann eine berufliche Neuorientierung oft Wunder wirken. Viele fürchten sich jedoch davor, an der neuen Karriere zu scheitern. Dabei gibt es viele Gründe, warum sich ein Quereinstieg heutzutage lohnen kann. Wir erklären dir, wie es dir am besten gelingt.

Berufliche Neuorientierung: Warum es sich lohnt

Der berufliche Neustart als Hirngespinst

Ein erfülltes und glückliches Arbeitsleben ist keine Selbstverständlichkeit. Viele Menschen beginnen eine Ausbildung oder ein Studium und merken früher oder später, dass der Job, den sie früher noch für ihren Traum hielten, nicht zu ihnen passt. Das ist nicht unnatürlich, immerhin verändern sich Bedürfnisse, Lebenssituationen und Belastbarkeit im Laufe des Lebens.

Einen beruflichen Neustart einzugehen, bleibt oft allerdings nur ein Hirngespinst. Der Gedanke an einen völlig neuartigen Alltag führt schließlich zu (teilweise berechtigten) Zukunftsängsten. Dennoch bietet ein Neuanfang auch große Chancen und kann die Weichen für ein besseres Leben stellen. Wer mit dem Gedanken spielt, sollte sich allerdings zunächst folgende Frage stellen:


Warum bin ich beruflich unzufrieden?

Die Gründe für Unzufriedenheit im Job sind vielfältig. Wer einen Neustart wagt, sollte sich daher genau überlegen, wo der Hund begraben liegt. Manchmal sind es Einflussfaktoren “von außen”, die stattdessen mit einem Wechsel innerhalb der Branche oder mit einer Umstellung der Arbeitsweise behoben werden können:

Ein toxisches Arbeitsumfeld

Nicht alle Menschen kommen miteinander aus - das gilt insbesondere für die Arbeitswelt. Nicht selten frustriert Arbeitnehmer*innen eine toxische Atmosphäre, sei es durch einen autoritären Chef oder gar Mobbing und Diskriminierung.

Fehlender Respekt und Wertschätzung seitens der Mitarbeiter*innen können die eigentlich erfüllende Arbeit zum Albtraum machen. Ein Wechsel des Betriebs kann an dieser Stelle bereits Besserung schaffen. Fühlst du dich allerdings auch im vierten Büro in Folge immer noch unwohl, sollten die Alarmglocken läuten, dass das Problem eventuell doch “hausgemacht” ist.

Zu wenig Gehalt

Gute Arbeit sollte gut entlohnt werden. Wer das Gefühl hat, zu viel für zu wenig Geld zu leisten, wird früher oder später Unzufriedenheit verspüren. Du solltest dir in dem Fall überlegen, ob du eine Gehaltsverhandlung angehen möchtest. Sind dir hierbei die Hände gebunden, kann auch ein Jobwechsel innerhalb der Branche helfen.

Zu hohe Belastung

Du wirst es vielleicht schon einmal gespürt haben: Du arbeitest zu viel und der Alltag fühlt sich an wie ein nicht mehr stoppendes Hamsterrad.

Erschöpfungssymptome wie

  • chronische Antriebslosigkeit,
  • grundlose Traurigkeit und
  • ein Gefühl der Leere

sind typische Symptome einer Depression, die auch durch Überarbeitung entstehen kann. Missachtest du diese Symptome, kann das Leid chronisch werden. An dieser Stelle solltest du dich fragen, ob du vielleicht mit einem Teilzeitmodell besser zurechtkommst.


Berufliche Neuorientierung: Wann sollte ich es wagen?

Wer bereits an den oben genannten Stellschrauben gedreht hat und immer noch unzufrieden ist, sollte sich ernsthaft Gedanken über einen neuen Karriereweg machen.

Dabei können dir folgende Fragen helfen:

Bin ich überfordert?

Dass du gerade zu Beginn eines neuen Jobs verunsichert bist, ist normal. Gerade Menschen, die sich nach langer Studien- oder Ausbildungszeit in die Berufswelt stürzen, haben oft Startschwierigkeiten und machen Fehler.

Ein ernst zu nehmendes Problem entsteht allerdings, wenn dieses Gefühl auch nach Monaten oder gar Jahren bestehen bleibt. Schließlich kommt die bittere Erkenntnis: “Ich bin nicht für diesen Job geschaffen.” Sei es aus mangelndem Talent oder fehlender Motivation:

Wenn du dich langfristig von deinem Job überfordert fühlst, wird er dich auch nicht erfüllen.

Habe ich keine Perspektiven?

Für viele Menschen ist die Karriere eine Form der Selbstverwirklichung. Sie stecken viel Herzblut, Zeit und Arbeit in ihre Ausbildung. Bleiben die großen Sprünge auf der Karriereleiter schließlich aus, kommt Frust auf. Wenn du das Gefühl hast, dass deine Karriere stagniert und du deine Ambitionen nicht erfüllen kannst, ist ein Wechsel eine Möglichkeit, wieder neuen Schwung zu gewinnen.

Langweile ich mich?

Genauso wie Über-, kann auch Unterforderung zu großer Unzufriedenheit im Job führen. Gerade bei Jobs, bei denen sich Aufgaben ständig wiederholen, besteht diese Gefahr. Wird dein Alltag zur Bürde, weil täglich das gleiche auf dich wartet, wird es Zeit für mehr Vielfalt.

Gerade für Menschen, die gern kreativ arbeiten und ihre Fähigkeiten proaktiv in ihrem Job umsetzen wollen, kann ein Wechsel befreiend wirken, wenn der alte Job langweilt.

Schadet mein Job meiner Gesundheit?

Es ist ein ebenso häufiger wie berechtigter Grund für einen Jobwechsel: Die Arbeit macht krank.

Anzeichen wie

  • Konzentrationsschwäche,
  • Stress und
  • erhöhte Reizbarkeit

sind Warnsignale weisen auf ein Burnout hin, aber auch rein körperlich können gerade handwerkliche Jobs dauerhaft schaden. Auch, wenn dir dein Job grundsätzlich Spaß macht, solltest du in diesem Fall auf deine Gesundheit achten - immerhin ist sie dein höchstes Gut.


Planung ist alles: Was muss ich bei einem beruflichen Neuanfang beachten?

Wer aufgrund der aufgezählten Faktoren zu einer beruflichen Neuorientierung tendiert, sollte sich zunächst einen gut durchdachten Plan erstellen. Viele ergreifen zu abrupt die Flucht und stehen schließlich ohne klare Perspektive da - das kann schnell zu Resignation und Arbeitslosigkeit führen. Frage dich daher:

Kann ich meine Ängste und Zweifel überwinden?

Wer eine neue Berufsrichtung einschlägt, muss gezwungenermaßen die eigene Komfortzone verlassen. Das erfordert Durchhaltevermögen und Disziplin. Das verläuft nicht immer sorgenfrei.

Du fragst dich sicher:

  • Kann der neue Job mich überhaupt glücklich machen?
  • Bin ich eventuell gar zu alt oder zu unerfahren?

Du musst reflektieren, ob du diese Skepsis überwinden kannst. Es lässt sich nicht leugnen: Ein hohes Alter oder Lücken im Lebenslauf können in vielen Betrieben durchaus ein Grund für eine Absage bedeuten.

Bin ich flexibel genug?

Dir muss auch bewusst sein, dass du wieder in ein Arbeitsverhältnis geraten könntest, indem du in der Hierarchie ganz unten stehst und Befehle annimmst, anstatt sie zu geben. Auch die Schulbank steht dir eventuell bevor, wenn du eine neue Ausbildung beginnst. Du solltest dir daher bewusst sein, ob du mit diesen Umstellungen umgehen kannst. Wenn du allerdings in deine Fähigkeiten vertraust, wirst du auch Erfolg haben.

Talente erkennen: Welcher Job passt (besser) zu mir?

Viele Menschen glauben, ihre Stärken und Talente bereits im jungen Alter erforscht zu haben. Vielleicht schlummert aber eine Begabung in dir, die aufgrund des lähmenden Ex-Jobs bisher unentdeckt bliebt.

Umgekehrt sind sich viele Menschen ihrer wahren Talente bewusst, haben sich aber nie getraut, sie auch beruflich auszuschöpfen. Gehe in dich, befrage deine Mitmenschen und versuche die auch an Berufsorientierungs-Tests, um genau herauszufinden, welcher Job wirklich zu dir passt. Auch das Arbeitsamt kann dir an dieser Stelle mit Beratungsgesprächen zur Seite stehen.


Job, Berufung oder Karriere?

Für den einen bedeutet die Karriere mehr, für die anderen weniger: Wie viel Stellenwert man dem Erfolg im Job im Leben zuschreibt, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch.

Dennoch kann festgehalten werden: ein erfüllter Job macht auch den Rest des Lebens umso leichter. Ein neuer Job kann dir dabei helfen, die Ausgewogenheit zu finden, die dir bisher gefehlt hat - das kann auch Wunder auf dein Familien- und Sozialleben wirken.


Mehr Selbstvertrauen: An der Herausforderung wachsen

Unzufriedenheit im Job spiegelt sich oft auch im Selbstbild wider. Ein neuer Berufsweg, der deinen Talenten entspricht und in dem du brillierst, kann dich in deinem Glauben an dich selbst stärken. Oftmals ist der geringe Selbstwert auch der Grund, warum sich Menschen nicht trauen, ihr “Hamsterrad” zu verlassen.

Wenn du es doch schaffst, kannst du stolz auf dich sein, diesen Schritt gewagt zu haben, was sich schließlich positiv auf dein Selbstbewusstsein auswirkt.


Fachkräftemangel: Quereinsteiger*innen sind begehrt

Die Corona-Krise hat ein großes Loch in den Arbeitsmarkt gerissen: Viele Branchen wie die Gastronomie oder der Tourismus mussten Federn lassen und zahlreiche Arbeitskräfte wurden mehr oder weniger zu einer Neuorientierung gezwungen.

Andere haben die Krise bewusst genutzt, um einen neuen Weg einzuschlagen. Es kann ein Trend zum Quereinsteigen festgemacht werden, der von Unternehmen auch begrüßt wird: Denn gerade in den von Corona geplagten Branchen herrscht ein eklatanter Mangel an Fachkräften. Viele Firmen beißen sich die Zähne am Arbeitsmarkt aus, wenn sie Stellen nachbesetzen wollen. Heute haben es bereits viele Unternehmen erkannt, dass Quereinsteiger*innen das begehrte Personal der Zukunft sind.


WIR FASSEN ZUSAMMEN

Gerade im fortgeschrittenen Alter erfordert es viel Überwindung und Mut, die Karriere nochmal vollständig umzukrempeln und einen Neustart zu wagen. Immerhin musst du dich aus deiner Komfortzone bewegen und viel Zeit in die Planung deines neuen Berufsweges investieren, damit dir Ab- und Aufsprung gelingt. Gleichzeitig erfordert dieser Schritt auch ein hohes Maß an Selbstreflektion, was nicht selten damit einhergeht, sich unangenehme Wahrheiten einzugestehen.

Dennoch gehen viele, die den Neustart wagen, erstarkt aus diesem Prozess heraus und finden sich in einer wesentlich komfortableren Zone vor als ihr bisheriger Alltagstrott bieten konnte. Wenn du dich unglücklich in deinem Job fühlst, denke daher stets:

Es ist nie zu spät, eine berufliche Neuorientierung zu wagen.

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